Wohnmobilmaut in Europa

Wenn man im europäischen Ausland unterwegs ist – egal ob im PKW, im leichten (bis 3,5t) oder im schweren (über 3,5t) Wohnmobil -, trifft man auf Mautregelungen. Ich habe versucht, die wichtigsten Regeln und Tipps für die von uns bereisten Länder hier zusammenzustellen. Leiche Womos werden meistens wie PKW bemautet, für die schwereren (wie uns) gibt es Abweichungen.
Bei der Gewichtsabgrenzung gilt übrigens das in den Fahrzeugpapieren eingetragene “zulässige Gesamtgewicht” (zGG), nicht das tatsächliche Gewicht.

Mautfreie Länder

Generell keine allgemeine Maut erheben Deutschland, Dänemark, Schweden, Niederlande, Belgien, Liechtenstein. Hier gibt es nur Sondermaut für Brücken oder Tunnel (z.B. den Warnowtunnel in Rostock, die Öresundbrücke Dänemark-Schweden oder die Storbaeltsbroen in Dänemark).

Frankreich

In Frankreich sind die meisten Autobahnen mautpflichtig, die Gebühren sind auch nicht eben niedrig. Zu beachten ist, das die Fahrzeuge nach Gewicht und Höhe in Klassen eingeteilt werden, bei einer Höhe über 3m wird eine höhere Maut fällig als darunter, auch bei PKW und leichten Wohnmobilen. Die Maut wird an Stationen direkt an der Strecke erhoben, dort kann man bar oder mit Karte zahlen. Alternativ gibt es auch ein Transponder-System ähnlich der GO-Box; dieses “bip&go” funktioniert – sofern freigeschaltet – auch in Italien, Spanien und Portugal. An den Mautstationen kann man auf den mit “t” bezeichneten Spuren direkt durchfahren.

Für bip&go gibt es auch ein “Gelegenheitsfahrer”-Paket: Man zahlt 1,70€/Monat (zzgl. je 2,50€/Monat bei Freischaltung für Spanien/Portugal bzw. Italien), jedoch nur in den Monaten, in denen die Box durch eine Durchfahrt einer Kontrollstelle aktiviert wird; in den übrigen Monaten zahlt man nichts.

Leider gilt bip&go nicht für Fahrzeuge über 3,5t.

Unser Tipp für Frankreich: In der Normandie und Bretagne sind die meisten Autobahnen gebührenfrei. In Westfrankreich führen neben vielen Autobahnen gut ausgebaute Landstraßen entlang, auf denen man nicht viel langsamer, aber dafür wesentlich günstiger unterwegs ist. Auf unserer Tour 2019 haben wir nur für die Brücke über die Seine westlich von Rouen 3,90€ Maut bezahlt, der Rest der Tour war mautfrei.

Norwegen

Norwegen erhebt auf vielen Straßen (geringe) Mautgebühren. Die Höhe der Maut ist abhängig von der Umweltklasse des Fahrzeugs; damit diese korrekt eingestuft wird, muss man sich vorher registrieren. Man kann auch unregistriert fahren, wird dann aber automatisch in die höchste Mautklasse eingestuft. Die Registrierung erfolgt bei der Euro Parking Collection (EPC), Details dazu findet man auf den Seiten von Autopass.no.

Auch Wohnmobile über 3,5t können als PKW bemautet werden, dazu benötigt man aber zwingend einen elektronischen Mautchip und ein entsprechenden Vertrag mit Autopass. Dies lohnt sich aber, da die Maut für schwere Fahrzeuge gut 50% über den PKW-Tarifen liegt. Meine Empfehlung hierzu: der dänische BroBizz-Chip, der eigentlich für die Mauterfassung auf den dänischen Brücken gedacht ist, funktioniert auch in Norwegen und – mit Zusatzregistrierung – sogar in Österreich (siehe unten). Damit hat man nur ein Gerät für mehrere Länder. Was dafür zu tun, ist beschreibt ein eigener Blogeintrag.

Als Vergleichswert: Auf unserer Tour 2018 haben wir 55€ für Mautgebühren in Norwegen ausgegeben.

Österreich

Auch in Österreich gibt es für PKW und leichte Womo eine Vignette (klassisch zum Kleben oder elektronisch), diese kostet je nach Gültigkeit 9,50€ (10 Tage), 27,80€ (2 Monate) oder 92,50€ (1 Jahr).

Für schwere Womo ist eine elektronische Mautbox (“GO-Box”) zwingend vorgeschrieben. Diese kann man z.B. an der Grenze erwerben und “Pre-Paid” oder “Post-Paid” betreiben, eine Registierung des Fahrzeugs samt Nachweis der Emissionsklasse ist erforderlich. Mehr zur GO-Maut findet man hier.

Zusätzlich gibt es zahlreiche Sondermautstrecken, etwa Tunnel oder Pässe.

Mein Tipp (Teil 1): Wer auch in Skandinavien unterwegs ist, sollte die BroBizz-Box nutzen.

Mein Tipp (Teil 2): Wenn wir nach Italien wollen, vermeiden wir die österreichischen Autobahnen, sondern fahren durch Bregenz am Bodenseeufer entlang und dann in die Schweiz. Zum Vergleich: Eine Passage nach Italien durch Österreich kostet uns (mit dem schweren Womo, Strecke Kufstein – Innsbruck – Brenner) ca. 40€, durch die Schweiz mit einer Zwischenübernachtung etwa 6€ (wer an einem Tag durchkommt, zahlt dann nur 3€ LSVA, siehe unten). Außerdem kann man in Bregenz noch einmal günstig tanken.

Polen

In Polen sind einige Autobahnen und Schnellstraßen mautpflichtig, auch hier gibt es ein elektronisches Mautsystem namens viaTOLL. Die zugehörige viaBOX kann man an einigen Tankststellen oder Servicestationen in Grenznähe gegen Kaution ausleihen; auf dieser Karte sind die Abgabestellen und die mautpflichtigen Straßen als Übersicht dargestellt.

PKW und leichte Womo haben die Wahl, sie können die viaBOX fahren oder manuell zahlen (bar oder Karte). Für Fahrzeuge ab 3,5t ist die Box verpflichtend.

Die Höhe der Maut ist abhängig von der Emissionsklasse und vom Fahrzeuggewicht und liegt zwischen 0,16 – 0,52 Zloty (0,03 – 0,10 €) je Kilometer. Für die Strecke Berlin – Warscawa (Warschau) wären gemäß Mautrechner für uns 40 Zloty (etwa 8,40 €) fällig.

Wir haben die mautpflichtigen Strecken auf unserer Tour vermieden, weil wir das Land “langsam” erkunden wollten.

Schweiz

In der Schweiz wird das Benutzen der Autobahnen für PKW und leichte Womos eine Vignette verlangt, diese gilt immer 14 Monate lang, vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres. Im Jahr 2021 kostet die Vignette 40,- Schweizer Franken bzw. 38,50 Euro. Man kann sie vorab z.B. beim ADAC kaufen oder an Raststätten im Grenzgebiet.

LKW und schwere Womos ab 3,5 Tonnen brauchen keine Vignette; für sie muss die sogenannte Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) entrichtet werden. Hierzu bekommt man am Grenzzollamt ein Formular (bzw. seit 2019 geht es auch online mit der “Via”-App), man hat folgende Optionen der Zahlung.

  • für 1 bis 30 aufeinander folgende Tage (3,25 SFr. pro Tag)
  • für 10 frei wählbare Tage innerhalb 1 Jahres (32,50 SFr.) – diese Variante nehmen wir sehr gern, da wir uns meist nur kurz in der Schweiz aufhalten. Auf dem Formular trägt man dann selbst die Tage (Daten) ein, an denen man sich in der Schweiz aufgehalten hat.
  • für 1 bis 11 aufeinander folgende Monate (58,50 SFr. pro Monat)
  • für 1 Jahr (650 SFr.)

Weitere Länder …

Wenn wir weitere Länder (mautpflichtig) bereisen, werde ich diesen Artikel nach und nach ergänzen.

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